Ein fantastisch schönes und leckeres Zwischenseminar

11März2015

Hallihallo,

Es war Zwischenseminar und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass alleine schon für die ganzen Seminare sich das Jahr lohnt! Wirklich, man lernt so viel über Politik, sich selbst, andere, das Land, über Zeichnen, TTIP, Wildtiere im Zirkus, Gruppendynamiken, Kinyarwanda und das könnte jetzt noch ewig so weiter gehen. Und das ganze auch noch an einem wunderschönen Ort, nämlich in Kibuye, in einem Hostel mit bequemen Betten, fantastischem Essen und einem atemberaubenden Blick über das Land und den See.

Mein Tag fing jeden Tag mit einem Sprung in den Kivusee an, ging weiter mit einem leckeren Obst-, Omelette- und NUTELLABROT- Frühstück weiter bis dann das Seminar begann.
Hauptsächlich haben wir uns mit Fragen über uns selber, wie "Was waren meine Höhepunkte im letzten Halbjahr?", "Womit hatte ich Schwierigkeiten?", "Was will ich im nächsten Halbjahr erreichen/ besser machen?", "Worauf freue ich mich bei meiner Rückkehr / worauf nicht?", beschäftigt.
Meistens haben wir diese Fragen ersteinmal schriftlich für uns selbst beantwortet und dann im Sitzkreis mit allen besprochen. Mit allen bedeutet, wir sechs Freiwillige und unsere drei Mentoren. Insgesamt eine Gruppe, die ich sehr ins Herz geschlossen habe.

Da aber auch von jedem eigener Input kommen sollte, haben wir auch ganz andere Sachen gemacht. Zum Beispiel sind wir auf eine kleine einsame Insel gefahren und haben dort ein Spiel namens "Time's Up" gespielt, das TTIP oder generell Freihandelsabkommen besser verstanden, Bier verkostet (das habe ich übrigens gerockt 7 von 9 Bieren hab ich erkannt, und die letzten zwei hatte ich noch nie getrunken, dabei bin ich eigentlich die schlechteste Biertrinkerin von uns), Armbänder gebastelt, erfahren wie schlimm Tiere im Zirkus behandelt werden und Portraits zeichnen geübt.
Die Abende haben wir mit Karten spielen, quatschen, Lagerfeuer und Bier verbracht.
Am Ende waren wir uns alle einig, dass das Seminar gerne noch eine Woche länger hätte dauern können!

An alle, die darüber nachdenken auch ein weltwärts-Jahr zu machen, bewerbt euch!!!! Im meinem Projekt ist noch eine Stelle frei!!!!!!
Und wie gesagt, allein für die Seminare lohnt es sich schon:)

Liebe Grüße,
Nori

 

 

 

Uuund schon ist die erste Hälfte rum!

20Feb2015

Hallo ihr Lieben,

wieder einmal tut es mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Aber jetzt sitze ich hier in einem teuren Hotel am See undhabe endlich mal wieder halbwegs ordentliches Internet. In unserem Haus ist das Internet nämlich soooo schlecht, dass ich da echt keine Lust mehr drauf habe. Hier im Hotel gibt es freies W-Lan, wenn man irgendwas bestellt. Und zum Glück gibt es seehr leckere heiße Schokolade.
Und, schlechte Nachrichten, mein Tablet wurde geklaut! Aus dem Haus heraus! Jetzt muss ich mir, immer wenn ich ein Computer brauche, den von einem meiner Mitbewohner leihen. Aber das klappt eigentlich ganz gut, weil ich ja ein Smartphone habe, brauche ich (außer um Blogeinträge und Berichte zu schreiben) eigentlich nie einen Computer.

Also mir gehts soweit eigentlich ganz gut, ich bin immer mal wieder erkältet oder habe irgendwas anderes. Aber das kommt wohl durch den engen Kontakt mit den Kindern, da fange ich mir so ungefähr alles ein.
Die letzte Woche war ich ganz alleine zuhause, was nach einem Monat zu viert wohnen und andauernd Gäste und Couchsurfer da haben, echt super ungewohnt aber auch mal sehr entspannt, anders und schön war.
Ich habe die Zeit genutzt ganz viel mit meinen ruandischen Freunden zu machen und habe eine Frauenfußballmannschaft gefunden!! Mega cool, da habe ich mich vielleicht gefreut. Bald gehts los zum ersten Training.
Außerdem habe ich endlich angefangen mir Gitarre spielen bei zu bringen und übe jetzt eifrig jeden Tag ein Stündchen.
Bei der Arbeit bastel ich Armbänder für die Kinder und mache für mich gerade einen Papierperlenvorhang. Da schneidet man aus Papier längliche Dreiecke aus und rollt die ganz eng auf. Die dadurch entstandenen Perlen fädelt man auf und tunkt die in so eine Art Lack. Damit kann man dann Ketten, Armbänder oder eben Vorhänge machen. Das ist aber wirklich eine Heidenarbeit, aber ich bekomme ganz viel Unterstützung von den Kindern.

Nächste Woche ist ersteinmal Zwischenseminar in Kibuye (meine Güte, es ist wirklich schon Zwischenseminar!!!!!!) und für danach habe ich mir jetzt einen Wochenplan erstellt, ab dann werde ich bei der Arbeit (hoffentlich) ganz schön beschäftigt sein. Der Plan besteht aus: Drei Mal die Woche an den See gehen (mit verschiedenen Gruppen), zwei mal die Woche Bastelprojekt (gemeinsam mit dem Centre Culturell), einmal die Woche Turnen/Akrobatik, und zweimal die Woche Unterrichtsassistenz in der vierten Klasse unserer Primaryschool.

Und ich freu mich schon ganz arg auf die nächsten Monate, weil ich nochmal ganz viel Besuch bekomme. Erst kommen Franci und Vilja am 21.März, und dann kommt die liebe Svenja wieder für sechs Wochen. Und daaann kommen Anfang Mai meine Eltern und sind wahrscheinlich sogar an meinem Geburtstag da. Mei, mei und dann sind es auch nur noch anderthalb Monate für mich hier! Aiaiai!

Also so viel ersteinmal von mir. Ich weiß das waren jetzt keine brennenden Neuigkeiten, aber mein Leben hier ist in zwischen so normal, dass es brennende Neuigkeiten fast gar nicht mehr gibt. Ihr müsst euch dass so vorstellen, als ob ihr über euren Alltag schreiben würdet:)

Also allerliebste Grüße und Küsse aus dem verregneten, aber warmen Ruanda!

Eure Nori

 

 

 

 

Das Weihnachtsprojekt war ein voller Erfolg!

14Jan2015

Hallo ihr lieben Freunde, Familie, Spender,

ersteinmal: Entschuldigung, dass ich mich so spät melde, die letzen Wochen habe ich mehr oder weniger krank auf einer einsamen Insel verbracht. Jetzt bin ich wieder zurück in Gisenyi, in unserem neuen Haus. Heiligabend habe ich nämlich mit umziehen verbracht. Leider ist das Internet hier nicht so gut und irgendwie klappt das mit dem Fotos hochladen nicht.

Also Weihnachtsprojekt:

Dank der vielen Spenden, es ist wirklich unglaublich wie viel Geld reingekommen ist, konnten wir ein supertolles Weihnachtsfest mit den Kindern feiern.

Los ging es mit einem Fussballspiel, mit den von Chris und David trainierten Mannschaften. Die, die nicht Teil der Mannschaften waren, fieberten eifrig vom Rand aus mit und es war ein durchaus spannendes Spiel, das 2:3 endete. Es ist echt faszinierend, was die Strassenkinder mit oder ohne Schuhen, Schlappen oder FlipFlops drauf haben. Nachdem Fussballspiel ging es mit allen Kindern auf eine grosse Wiese und unsere ersten Geschenke wurden verteilt: Tshirts in weiss, gelb und blau mit einem "Noel des Enfants 2014" - Druck.
Leider konnte ich da nicht dabei sein, weil eines meiner Kinder krank war. Ein Mädchen, die normalerweise sehr lebhaft ist und einen zu quatscht, egal ob mans versteht oder nicht, hat plötzlich gar nichts mehr gesagt und war extrem heiss. Dann haben wir uns in einen Raum gekuschelt, und nachdem sie etwas geschlafen hat und Unmengen an Essen verdrückt hat, ging es ihr wieder deutlich besser und wir konnten uns wieder der Gruppe anschliessen.

Es ging also weiter mit den Aufführungen der einzelnen Gruppen. Das war ziemlich cool, besonders gefallen hat mit die Theatergruppe, obwohl es in Kinyarwanda war, war es echt lustig und toll anzuschauen, wie die Kinder verkleidet als Joseph, Maria, Engel, Heilige drei Könige und Baby die Weihnachtsgeschichte nachspielen.

Als die Tanzgruppe aufgeführt hat, ist eine unserer Mädels, Alice, die Downsyndrom hat, einfach auf die Bühne gegangen und hat mit getanzt obwohl sie gar nicht in der Gruppe war, das war das Süsseste der Welt.

Während also alle aufführten und Bienfait, der ruandische Freiwillige, zwischendrin geniale Moderationen machte, wurde im Hintergrund ein riesiges Buffet aufgebaut.

Und das ist jetzt wohl mein Lieblingsteil des ganzen Tages, obwohl es der anstrengendste Teil war: Wir Freiwillige und Mitarbeiter verteilten hinterm Buffet an 100 Strassenkinder Essen, das aus Reis, Bohnen, Kartoffeln, Süsskartoffeln, Kochbananen, Salat, Kürbis und Fleisch (!!!) bestand. Für eine Weile waren dann alle mit ihrem Essen beschäftigt, ein wunderbarer Anblick!

Nachdem alle aufgegessen hatten, ging die Bescherung los. Wir hatten uns früh morgens getroffen und Geschenktüten vorbereitet. Eine Tüte enthielt 12 Buntstifte, ein Heft, Maracujas, Lolli und ein kleines Spielzeug und Luftballons. David, verkleidet als Weihnachtsmann, hat die dann an alle Kinder verteilt. Das war ein Spass!

Dann wurde laut Musik angemacht und alle feierten zusammen. Irgendwann hab ich unsere Kids dann ins Auto gesetzt, dass sie nach Hause gebracht habe und Umarmungen und "Murakoze" (Danke) eingeheimst und mich dann auch auf den Weg nach Hause gemacht. Total fertig aber sehr zufrieden bin ich dann nach neun Stunden durchpowern zuhause angekommen, aber dann hiess es nicht ausruhen sondern umziehen, was der grösste Stress der Welt war, aber da habe ich keine Lust drüber zu schreiben.

Nocheinmal vielen Dank an alle Spender, die das möglich gemacht haben, vorallendingen "Rimpl Consulting": Danke, danke, danke! Ein schöneres Weihnachtsfest hätte ich mir nicht wünschen können!

 

Neuer Fotoblog!!!!

17Dez2014

Hallo ihr Lieben,

weil ich andauernd Fotos mache und die gerne mit allen teilen würde, das Fotos hochladen hier aber etwas schwierig ist, existiert jetzt ein eigener Blog nur für Fotos!

http://facesofrwanda.tumblr.com/

 

Ich freu mich wenn ihr mal reinschaut!

Nori

Die ersten Tage des Weihnachtsprojekt

16Dez2014

 

 

Hallo liebe Freunde, Familie, Spender und Interessierte,

die ersten beiden Tage des Weihnachtsprojektes sind rum und es läuft super. Es sind viel mehr Kinder als erwartet dabei, aber alle machen was ihnen Spaß macht.

So ist die Theatergruppe schon fleißig am Text üben, die Rollen für das Christkind, Maria, Josef etc. sind schon vergeben. Ich muss sagen ich bin schon ganz aufgeregt weil auch drei Kinder aus dem Center (meiner Arbeitsstelle) Rollen haben (ein Hirte, Engel Gabriel, Maria).

Die Musikgruppe singt und klatscht, Feliz Navidad hört sich immer besser an.

Unsere Tänzer trainieren und es fängt auch langsam an einheitlich auszusehen.

Die Akrobaten turnen und die Fußballer spielen sich die Seele aus dem Leib.

Unsere Kinder waren anfangs zwischen den zienlich extrovertierten Strassenkindern etwas zurückhalten, gewöhnen sich aber allmählich an die neue Situation und kommen immer mehr aus sich heraus. 

 

Bienfait macht ein paar AnfangsspieleAlle Kinder des Weihnachtsprojektes

 

Vielen, vielen Dank an alle Spender, die das möglich gemacht haben! Wirklich, es ist unglaublich wie viel Geld reingekommen ist!

Ich meld mich bald wieder.

Nori

Weihnachtsprojekt Spenden

04Dez2014

Bankverbindung Friends of Ruanda e.V:

IBAN: DE89 6106 0500 0485 9160 02
BIC: GENODES1VGP
Volksbank Göppingen

Betreff: Weihnachtsprojekt Nora

 

Friends of Ruanda e.V. ist meine Entsendeorganisation. Der Umweg über die Organisation muss sein damit ihr eine Spendenittung bekommt und die Spenden von der Steuer absetzen könnt.

Falls ihr noch mehr über das Projekt lesen wollt, müsst ihr etwas runterscrollen zu dem Blogeintrag: Wir starten ein Weihnachtsprojekt und brauchen Unterstützung

Vielen Dank schonmal,

Nora

Kigeme: Flüchtlingslager und wunderwunderwunderschöne Landschaft

26Nov2014

 

Mwiriwe (Hallo),

Svenja und Sia sind daa! Und es fantastisch schön sich nach vier Monaten wieder zu treffen, immerhin sind wir acht Jahre zusammen zur Schule gegangen.

Nach ein paar Tagen in Kigali (Feiern gehen, Freunde treffen, Genozidmuseum, lecker essen usw) sind wir jetzt bei Max in Kigeme. Kigeme ist ein kleines Dorf im Südwesten Ruandas, hier gibt es nichts Nennenswertes und eigentlich kennt auch niemand (außer die Bewohner wahrscheinlich) diesen Ort.

Nachdem wir gestern angekommen sind und einen Film und Ofenkartoffeln aus dem Kamin gegessen haben, haben Svenja und ich den Traum eines jeden Kindes wahr gemacht und haben im Wohnzimmer gezeltet. Das Zelt besteht aber nicht aus einer wasserdichten Plane sondern nur aus einem Moskitonetz und Boden, was auch der Grund dafür ist, dass wir jetzt Wohnzimmerzelturlaub machen.

Aber eigentlich wollte ich über heute erzählen. Morgens sind wir um halb zehn aufgewacht, haben gefrühstückt, ich hab noch kurz mit meinem Freund geskypet und dann wollten wir, voller Tatendrang, los. Tja falsch gedacht, es regnete und zwar in Strömen. Und auch noch überraschend lange. Als der Regen weniger wurde, es tropfte aber immer noch, haben wir uns dann wirklich auf Richtung Flüchtlingslager gemacht. In Kigeme ist nämlich ein riesiges Flüchtlingslager, für ruandischstämmige Flüchtlinge aus dem Kongo. Um zu erklären, warum diese fliehen mussten, müsste ich jetzt ziemlich weit ausholen und um ehrlich zu sein, habe ich die ganze Sache auch noch nicht so richtig durchblickt. 

Nachdem wir ein paar Meter im Flüchtlingslager reingegangen sind, sind Max und Sia umgedreht und zum einkaufen auf den Markt in das nächstgrößere Dorf gefahren. Svenja und ich hatten vor ein paar Stunden in der Gegend rumzulaufen, uns alles anzuschauen und ein paar Fotos zu machen. Wir gingen also ein bisschen tiefer ins Lager rein, der Regen war mittlerweile wieder doller geworden. Irgendwie haben wir dann mit einem Jungen (18 Jahre alt, sieht aber eher aus wie 15) ein paar Worte gewechselt und wurden dann prompt von ihm in das Haus seiner Familie eingeladen, weil es so regnete. So saßen wir also in einem Miniraum (mini bedeutet vielleicht so 6m²) zu sechst oder siebt, mit den Geschwistern des Jungen und seiner Mutter. Ich glaube die ganze Familie, ich weiß nicht wie viele Menschen noch dazu gehörten, hat zwei noch kleinere Räume zu Verfügung.

Unsere Retter im Regen

Also, wenn man einmal Afrika so sehen will wie es in den deutschen Medien dargestellt wird, sollte man hierhin kommen. Obwohl, auf die Wasserbäuche muss man auch hier verzichten. Schon irgendwie echt krank, dass Afrika (ich benutze das an dieser Stelle so allgemein, weil genau das die Medien machen) immer nur so dargestellt wird, und natürlich mit Löwen und Elefanten. Naja, das was wir also in Deutschland von Afrika sehen ist so ein klitzekleiner Teil Ruandas und war trotzdem sehr eindrucksvoll.
Als es aufhörte zu regnen, haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, der Gesprächsstoff geht einem auch ziemlich schnell aus, wenn man (bis auf ein paar Brocken Kinyarwanda meinerseits, und ein paar Brocken Englisch dererseits) keine gemeinsame Sprache hat. Wir sind also raus aus dem Lehmhaus, und draußen war es supernebelig. Ein paar Kinderfotos später, versuchten wir den Weg aus dem Camp wieder rauszufinden. Tja, das mit den Wegen war so eine Sache, die hören manchmal auch einfach so auf. Ein sehr netter Mann hat uns dann rausgeführt.

Das Flüchtlingslager im Nebel

Übrigens wurden wir im Lager kein einziges Mal nach Geld gefragt. Keiner hat uns blöd angemacht oder nur Ansätze gemacht uns auszurauben oder mir die Kamera zu klauen. Klar, war nicht jeder damit einverstanden fotografiert zu werden, aber das ist ja auch verständlich.
Da waren wir also am ärmsten Ort des Landes und konnten problemlos rumlaufen und Fotos machen, uns in Ruhe unterhalten und wurden sogar in ein Haus eingeladen.

Nach dem Abstecher ins Flüchtlingslager sind wir noch zwei Stündchen in der Gegend rumgelaufen. Und sind zu dem Entschluss gekommen, das hier wohl die stereotypische Idylle ist. Kleine Häuschen an den Hügelhängen, Felder, ein Bach schlängelt sich das Tal entlang (den Bach mussten wir dann später Barfuss durchqueren, aber haben dabei Hilfe von ein paar netten Leuten bekommen). Auf dem Rückweg hat uns dann eine süße, alte, halbblinde Frau den Pfad zurück gezeigt.

Unsere Wegweiserin

Das war wirklich ein wunderwunderbarer Tag in ganz wunderwunderschöner Landschaft mit ganz wunderwundertollen Freunden.

So, ich gesell mich jetzt mal wieder zu den anderen dreien - auf jeden Fall werde ich diesen Tag so schnell nicht vergessen!

Achja und ich habe von meinen Eltern (falls ihr das lest: Ihr seid die allerbestentollsten Eltern der Welt!!!!!) einen Adventskalender bekommen!

Küsse,
Nori

 

Patrick weckt Ideen und vielleicht etwas zu hoch gegriffene Träume

20Nov2014

Es ist richtig kalt und regnet. Den ganzen Tag. Es ist so kalt, dass ich mit meinem Schlafsack, einer Jogginghose und Pulli an, im Bett sitze und meine Nasenspitze trotzdem kalt ist. Warum ist das so kalt hier? Wir sind doch mehr oder weniger direkt auf dem Äquator, so war der Deal nicht! Naja, im Vergleich zu Deutschland ist das wahrscheinlich gar nichts hier, und das ist auch echt Ausnahmezustand, ich sollte mich nicht beschweren.

Kommen wir zu Patrick
Patrick ist ein Straßenjunge, 11 Jahre alt oder 2001 geboren, so genau weiß er das nicht. Ich würde ihn nicht älter als elf schätzen, aber mit chronischer Mangelernährung weiß man ja nie, wie schnell bzw. langsam ein Kind wächst. Patrick wurde im Straßenkinderzentrum Gisenyis rausgeworfen weil er eine Oma hat, die sich um ihn kümmern soll. Patricks Oma wohnt über einen Tagesmarsch von Gisenyi entfernt und kann oder will sich nicht wirklich um Patrick kümmern. Vielleicht will Patrick auch selber nicht bei ihr wohnen, vielleicht weil er auf den Straßen Gisenyis mehr Freunde und Nahrung findet als auf einem abgelegenen Dorf. Patrick war immer gut in der Schule, Klassenbester wurde uns erzählt, er wirkt auch ziemlich aufgeweckt, versucht unser Englisch so gut wie möglich zu verstehen und merkt sich alles, was wir ihm sagen, mit ganz ernster Miene. Er hat jetzt die vierte Klasse beendet, aber ab nächstem Schuljahr kann er nicht mehr zur Schule, die Oma kann das Schulgeld nicht aufbringen.

Als Laetitia Patrick kennenlernt, hat er Bauchscmerzen und sieht gar nicht gut aus. Er zeigt uns, dass er zwei Tabletten hat: Diclofenac. Bei Bauchschmerzen? Abouba, ein ehemaliges Straßenkind, hat die mit den 200 Franc, die er noch über hatte für Patrick gekauft. Als Laetitia abends nach Hause kommt und sie mir von Patrick erzählt, beschließen wir uns morgen wieder mit ihm zu treffen um zu sehen ob es ihm besser geht. Es geht ihm nicht besser.
Bauchschmerzen und so ein blasses Gesicht sind keine guten Zeichen. Wir wollen zum Arzt mit ihm. Patrick denkt wir gehen in eine Apotheke und kaufen Medikamente für ihn, er hat keine Krankenversicherung, also rechnet er nicht damit dass wir zu einem echten Arzt gehen, der ihn untersucht.
Nach Blut-, Urin- und Stuhlgangsproben steht dann fest: Patrick hat Würmer. Er bekommt die nötigen Medikamente verschrieben, wir gehen zur Apotheke, kaufen sie ihm, erklären ihm, wie er sie einnehmen muss. Dann treffen wir Abouba wieder, was einiges leichter macht. Patrick erzählt Abouba, dass er für die Woche Medikamente zu seiner Oma möchte. Lustig, denken wir uns. Sollen wir jetzt einen kleinen Jungen, der kein Essen im Magen hat, und auch keines drin behält, auf einen Tagesmarsch schicken? Wir besprechen uns mit Abouba, es ist echt beruhigend jemanden dabei zu haben, der sich auskennt. Schlussendlich gehen wir auf den Markt. Patrick sucht sich einiges an Essen aus: Reis, Kartoffeln, Möhren, Tomaten, Bananen. Dann setzen wir ihn auf ein Moto Richtung Oma.

Das Ganze passierte vor anderthalb Wochen. Patrick ist wieder gesund - zum Glück- und wieder auf den Straßen Gisenyis.

Es hat uns etwa 12 Euro gekostet, Patrick zu helfen. 12 Euro - das sind zwei Cocktails, Kino mit Popcorn, 5 KVB-Fahrten, 12 Euro, das ist fast nichts in Deutschland.

Wenn man dann noch bedenkt, dass eine normale Krankeversicherung hier in Ruanda 3 Euro pro Jahr kostet und die teuerste 7 Euro, und so viele Menschen keine haben und deswegen nie zum Arzt gehen. Bei uns im Center haben wir mehrere solche Fälle. Kinder, die ihr leben lang eine Behinderung haben werden, weil sie eine richtige Behandlung nicht bezahlen konnten. Brüche, die einfach eingegipst wurden und nicht richtig zusammmengewachsen sind und so weiter.

Auf jeden Fall hat Laetitia und mich das auf eine etwas utopische Idee gebracht: Wir wollen einen Verein gründen um Krankenversicherungspatenschaften zu vermitteln, eventuell auch Schulgeldpartnerschaften. Mal schauen, das würde einen Haufen Arbeit bedeuten, aber wir sind motiviert. So wenig Geld, könnte hier schon so viel verändern. Bis jetzt ist es bloß eine vage Idee, aber wir hoffen, es wird mehr daraus.

In den nächsten Wochen wird ersteinmal nichts daraus, jetzt hat erst einmal das Weihnachtsprojekt oberste Priorität. Außerdem bekomme ich Besuch aus Deutschland von dem lieben Sia und der lieben Svenja, darauf freue ich mich schon ewig. Morgen Abend sind sie da. Mit den beiden gehts dann auch ein Woche nach Uganda, aufregend! Ich werde mich dann wahrscheinlich in den nächsten Wochen nicht so viel melden, aber danach bestimmt!

Genießt die Adventszeit für mich mit, denn Weihnachtsstimmung kommt hier so gar nicht auf!

Küsse,
eure Nori

 

Wir starten ein Weihnachtsprojekt und brauchen Unterstützung

15Nov2014

Hallo ihr Lieben,

Bei euch ist es mit Sicherheit sehr viel offensichtlicher als hier: Weihnachten naht. Bei schwülen 30 Grad und strahlendem Sonnenschein vergisst man da hier aber sehr schnell. Weil Ruanda aber sehr christlich ist (es gibt auch viele Muslime) wird auch hier Weihnachten gefeiert. Ähnlich wie bei uns, in Familien aber hauptsächlich am 25.. Hier in Gisenyi gibt es aber viele Strassenkinder, die keine Familien haben mit dennen sie feiern können. Deswegen planen Laetitia und ich mit zwei anderen deutschen Freiwilligen aus Gisenyi, Greta und David, die in einem Jugendzentrum arbeiten, und mit Bienfait, einem ruandischen Freiwilligen, ein Weihnachtsprojekt für Strassenkinder. Das ganze wird nir von uns organisiert und da wir natürlich kein egenes Budget haben sind wir da komplett auf  Spenden abgewiesen. Hier ist ein kleiner Text über das Projekt:

 

Noël des Enfants 2014

Weihnachten der Kinder

 Hier in Ruanda, genauer in der Stadt Gisenyi, gibt es viele Straßenkinder, Kinder, die in ihren Familien nicht mehr willkommen sind oder sich entschieden haben ihre Familien zu verlassen, vielleicht weil sie misshandelt wurden. Diese Kinder schlagen sich auf der Straße selber durch, verkaufen ihr Hab und Gut, putzen Schuhe, essen das, was am Straßenrand wächst. Auch an Weihnachten können sie sich nicht ausruhen, bekommen keine Geschenke, geschweige denn etwas zu essen.

Das wollen wir, vier Freiwillige aus Deutschland und einer aus Ruanda, in diesem Jahr ändern - mit dem Weihnachtsprojekt „Noël des Enfants“. Unser Wunsch ist es den Straßenkindern aus Gisenyi in der Weihnachtszeit die Möglichkeit zu geben, gewollt zu sein, einer Gruppe anzugehören, etwas zu erreichen, auf das sie stolz sein können und dafür auch belohnt zu werden.

Vom 15. Dezember bis zum 23. Dezember werden Workshops angeboten, sowohl kreative, als auch sportliche, als auch musikalische. So soll zum Beispiel die Weihnachtsgeschichte gemalt, aber auch als Theaterstück aufgeführt werden. Ein paar artistische Kunststücke werden geprobt, ein Chor gegründet und Weihnachtsschmuck gebastelt. Mehrere Tage arbeiten die Kinder so in Teams mit erfahrenen Leitern auf die Feier an Heiligabend hin und können dann vor Publikum beweisen, was sie auf die Beine gestellt haben. Eingeladen ist dazu jeder, der interessiert ist, denn es ist uns wichtig den Menschen in der Umgebung zu zeigen, dass auch die Straßenkinder etwas drauf haben. Der Applaus wird den Kindern mehr Selbstbewusstsein geben, das Arbeiten in einer Gruppe wird ihnen das Gefühl nehmen, alleine auf der Welt zu sein. Im Anschluss an die große Aufführung soll es eine kleine Bescherung geben. Die Kinder sollen jeder ein paar Geschenke bekommen, wie Klamotten oder ein neues paar Schuhe.

Das Projekt ist auf bis zu 80 Kinder ausgelegt, darunter auch Kinder mit Behinderung, die in Waisenheimen oder sehr schwierigen familiären Verhältnissen leben und keine Chance haben Weihnachten zu feiern. Diese Kinder haben sowohl geistige als auch körperliche Behinderungen und werden im Projekt genauso eingebunden, wie die anderen Kinder auch. Jeder ist willkommen am Projekt umsonst teilzunehmen, zwischen den Workshops eine warme Mahlzeit zu erhalten und einfach ein bisschen Spaß zu haben.

Wichtig ist, dass das Weihnachtsprojekt von keinem Verein oder keiner Hilfsorganisation getragen wird, sondern lediglich von uns fünf Freiwilligen. Um es zu verwirklichen und den Kindern ein schönes Weihnachten zu schenken, sind wir ausschließlich auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jeden Beitrag und die Kinder sicherlich noch mehr.

 

Vielen Dank schon einmal im Voraus,

Bienfait, David, Greta, Laetitia und Nora

 

Falls ihr zufällig gerade ein bisschen Geld überhabt, spendet doch einfach. Ihr könnt das Geld an meine Entsendeorganisation überweisen, die sind ganz ganz toll und seriös. Die überweisen dann mir denselben Betrag. Und ich gehe mit genau diesem Betrag auf den Markt und kaufe Klamotten, Schuhe und Essen für die Strassenkinder, da geht wirklich kein Cent verloren. Der Geldumweg über die Organisation ist nicht notwendig, aber dann bekommt ihr eine Spendenquittung und könnt das von der Steuer absetzen. Im Betreff bitte unbedingt irgendwas mit Nora und Weihnachtsprojekt angeben!

Bankverbindung Friends of Ruanda e.V:

IBAN: DE89 6106 0500 0485 9160 02
BIC: GENODES1VGP
Volksbank Göppingen

 

Alsoo mir geht es sonst wie immer gut, gleich holen wir einen Tisch ab der extra für uns getischlert wurde. Ziiiemlich cool sowas!

eure Nori

 

 

 

Militär und Polizei

09Nov2014

Hier in Ruanda ist sowohl Militär als auch Polizei auf der Straße sehr präsent. Unterscheiden tun sie sich glaube Ich nur durch die Farbe ihrer Uniformen und an den Autos, aber da kenn Ich mich nicht aus, wahrschienlich haben die auch irgendwie unterschiedliche Waffen. Beide haben immer ein Gewehr (oder sowas in der Art) über der Schulter hängen oder vor dem Bauch mit beiden Händen dran. Überall wo ein bisschen mehr los ist, kann man sicher sein auch Militär oder Polizei zu sehen.
Mir macht das echt Angst, denn die sind ziemlich unberechenbar. Wenn denen gerade mal langweilig ist dürfen die jeden ansprechen und ausfragen, und das beste ist dann einfach wahrheitsgemäß auf alle Fragen zu antworten. So kommt es öfter vor, dass wir herablassen ausgefragt werden: Woher kommt ihr? Was macht ihr hier? Wohin geht ihr? Warum? Was wollt ihr da? Und so weiter. Hier irgendwie aufmüfig gegenüber den Instanzen des Staates zu sein kann echt schilmme Folgen haben. Anfang 2014 sind 16 Leute aus Gisenyi einfach "verschwunden", so wird das heir genannt. Diese 16 Leute waren Mitglieder einer oppositionellen Partei. Die sind glaube Ich nicht gesetzlich verboten, existieren aber eigentlich nicht.
Freunde von uns, die dem ganzen Regierungssystem sehr kritisch gegenüberstehen, warnen uns immer wieder nie mit irgendjemanden über Politik zu reden, weil man nie weiß, wer was weiter erzählt und wer für wen arbeitet. So richtig Stasimäßig.
Öfter sieht man auch so fünf Soldaten in einer Reihe gehen mit ein paar Metern Abstand. Irgendwann mal, ich hab das überhaupt nicht gecheckt, habe Ich wohl ihre Reihe gestört, und wurde direkt rausgeschubst. Da hab ich mich vielleicht erschrocken.

Und in einem Club/Bar/Restaurant hier in der Nähe, in dem wir früher fast jedes Wochenende waren, wurden letztens von einem Soldaten mehrere Leute erschossen. Es gibt mehrere Stories warum. Eine ist, dass eine Prostituierte ihm Geld geklaut hat und er dann wütend wurde und wie wild um scih geschossen hat. Dazu sollte man vielleicht erzählen, dass heir Prostitution sehr viel öffentlicher und viel häufiger ist als in Deutschland. In den meisten Clubs hier sind so bis zu 70% der Frauen Prostituierte, in Kigali häufig sogar mehr. Die fallen aber gar nicht so auf. Da gibt es schon ganz lustige Stories über Freiwillige und Prostituierte. Weil die sich den ganzen Abend ganz gewöhnlich verhalten, mit sich tanzen lassen, sich Bier ausgeben lassen und die Freiwilligen dann denken, sie hätten jemanden nettes kennengelernt, bis dann irgendwann die Frage nach Geld kommt. Ganz gut, dass einem als Mädchen hier sowas nicht passieren kann:)

Kagame (der Präsident) hat vor ein paar Wochen ein neues Lautstärkegesetz erlassen, was wir aber nicht wussten, als wir abends so wie fast jeden Samstag in die Facebookbar gefahren sind. Da war wie immer laute Musik, Leute tanzten, tranken und quatschten. Plötzlich, wir waren gerade auf Toilette und sind wieder zurückgekommen, war die Musik aus und alle schauten ganz bedrückt. Als wir rausgegangen sind, wurde gerade der Barbesitzer, der sogennante "Manager" und der DJ festgenommen. Eine Frau, die dann etwas protestierte (überhaupt nicht doll) wurde dann direkt aufgegriffen und der Polizist schubste sie vor sich her ins Auto. Ja so läuft das hier, wenn man etwas macht immer erstmal ins Gefängnis. Meistens kommt man aber nach ein oder zwei Nächten wieder raus. Auf jeden Fall sind wir dann weiter gefahren in einen anderen Club und eine Stunde später passierte da genau das Gleiche. Da ist man doch ganz froh über unser Ordnungsamt in Deutschland, dass einen nicht direkt verhaftet, wenn man etwas zu laut ist.

So viel erstmal darüber, ich werde bestimmt noch öfter damit konfrontiert werden.

Bis denne!
Nori 

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.